Warum die Profiltiefe über deine Sicherheit entscheidet
Das Profil hat eine Aufgabe: Es leitet Wasser, Matsch und Schnee aus der Aufstandsfläche, damit der Gummi Kontakt zur Straße behält. Neue Sommerreifen haben etwa 8 mm Profil, Winterreifen meist etwas mehr. Mit jedem Kilometer wird das Profil flacher – und die Reserven bei Nässe schrumpfen.
Wie stark, zeigen Bremstests von Automobilclubs immer wieder: Auf nasser Fahrbahn verlängert sich der Bremsweg mit abgefahrenen Reifen um mehrere Autolängen, und die Aquaplaning-Gefahr steigt schon unterhalb von etwa 3 mm deutlich.
Gesetz und Empfehlung
In Deutschland schreibt § 36 StVZO eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm in den Hauptrillen vor. Weniger kostet ein Bußgeld und bei der Hauptuntersuchung die Plakette. Reifenhersteller und Automobilclubs sind sich aber einig, dass 1,6 mm für sicheres Fahren nicht reichen:
- Sommerreifen: wechseln bei etwa 3 mm – darunter steigt das Aquaplaning-Risiko deutlich.
- Winterreifen: wechseln bei etwa 4 mm – darunter verlieren die Lamellen auf Schnee und Eis ihre Wirkung.
- Ganzjahresreifen: wechseln bei etwa 4 mm, weil sie auch im Winter funktionieren müssen.
Die 1-Euro-Münze als Schnelltest
Kein Messgerät zur Hand? Eine 1-Euro-Münze reicht für den Schnelltest. Ihr goldener Rand ist etwa 3 mm breit.
- Steck die Münze senkrecht in eine Hauptrille in der Mitte der Lauffläche.
- Ist der goldene Rand noch sichtbar, hast du weniger als etwa 3 mm – bei Sommerreifen ist es Zeit für neue.
- Verschwindet der goldene Rand ganz im Profil, sind noch mindestens rund 3 mm da.
Genauer misst ein Profiltiefenmesser aus dem Zubehörhandel, den es schon für wenige Euro gibt. Bei der Hauptuntersuchung wird immer mit einem Messgerät gemessen.
An mehreren Stellen messen
Eine einzelne Messung reicht nicht. Miss innen, in der Mitte und außen und an mehreren Stellen rund um den Reifen. Es zählt der niedrigste Wert. Ungleichmäßiger Abrieb verrät außerdem andere Probleme:
- Mitte stärker abgefahren: Der Luftdruck ist dauerhaft zu hoch.
- Beide Schultern stärker abgefahren: Der Luftdruck ist dauerhaft zu niedrig.
- Eine Seite stärker abgefahren: Spur oder Sturz stimmen nicht – ab zur Achsvermessung in die Werkstatt.
- Fleckiger Abrieb: möglicherweise verschlissene Stoßdämpfer oder eine Unwucht.
Verschleißanzeiger im Reifen
Jeder Reifen hat eingebaute Verschleißanzeiger: kleine Stege in den Hauptrillen, die sogenannten TWI-Markierungen (Tread Wear Indicator). Sie liegen auf 1,6 mm. Auf der Flanke zeigt ein kleines Dreieck oder der Schriftzug „TWI“, wo sie sitzen. Ist das Profil auf Höhe dieser Stege abgefahren, muss der Reifen sofort ersetzt werden.
Wie oft kontrollieren?
Am besten einmal im Monat, zusammen mit dem Luftdruck, und vor jeder langen Fahrt oder dem Urlaub. Beim Reifenwechsel schauen wir uns Profil und Zustand deiner Reifen an und sagen dir ehrlich, ob sie noch eine Saison schaffen.