Technik

RDKS / TPMS – das Reifendruck-Kontrollsystem erklärt

Max Henschke Stand 3 Min. Lesezeit
Was ist RDKS, warum ist es Pflicht, wie unterscheiden sich direkte und indirekte Systeme – und was passiert damit beim Reifenwechsel?

Was ist ein Reifendruck-Kontrollsystem?

Das Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS), international TPMS (Tire Pressure Monitoring System), überwacht den Luftdruck deiner Reifen während der Fahrt. Sinkt der Druck in einem oder mehreren Reifen unter einen Schwellenwert, leuchtet eine Warnlampe im Cockpit.

Der Hintergrund: Viele Autos sind mit zu wenig Luft unterwegs, oft ohne dass es jemand merkt. Zu wenig Druck verlängert den Bremsweg, erhöht den Verbrauch und lässt die Reifen schneller verschleißen. Seit November 2014 ist RDKS deshalb für alle neu zugelassenen Pkw in der EU vorgeschrieben.

Direktes RDKS: Funksensoren im Rad

Beim direkten RDKS sitzt in jedem Rad ein batteriebetriebener Sensor, meist am Ventil. Er misst Druck und Temperatur im Reifen und funkt die Werte an ein Steuergerät im Auto.

  • Genau: Der tatsächliche Druck wird gemessen, nicht geschätzt.
  • Anzeige pro Rad: Viele Autos zeigen den Druck jedes Reifens im Display.
  • Erkennt auch schleichenden Verlust – selbst wenn alle vier Reifen gleichmäßig Luft verlieren.

Der Nachteil: Beim Reifenwechsel müssen die Sensoren vorsichtig behandelt und je nach Fahrzeug neu angelernt werden. Dafür braucht es ein passendes Diagnosegerät oder eine Anlernprozedur des Herstellers.

Indirektes RDKS: Software statt Sensoren

Das indirekte RDKS nutzt die ohnehin vorhandenen ABS-Raddrehzahlsensoren. Ein Reifen mit weniger Druck hat einen kleineren Abrollumfang und dreht sich schneller als die anderen – die Software erkennt den Unterschied und warnt.

  • Vorteile: keine zusätzlichen Sensoren, keine Batterie, keine Sensorkosten bei neuen Rädern.
  • Nachteile: weniger präzise, erkennt gleichmäßigen Druckverlust an allen vier Rädern schlechter und muss nach jedem Reifenwechsel oder Aufpumpen im Bordmenü neu kalibriert werden.

RDKS beim Reifenwechsel

  1. Sensoren prüfen: Vor dem Wechsel wird geschaut, ob alle Sensoren senden.
  2. Vorsichtig montieren: Der Reifen wird so ab- und aufgezogen, dass der Sensor am Ventil nicht beschädigt wird.
  3. Dichtungen im Blick: Ventileinsatz und Dichtungen des Sensors altern und sollten bei Bedarf erneuert werden.
  4. Anlernen: Nach dem Wechsel werden die Sensoren je nach Fahrzeug dem Steuergerät neu zugeordnet. Manche Autos lernen sie während der ersten Fahrminuten selbst an.

Häufige Probleme

  • Sensor-Batterie leer: Die Batterie hält meist fünf bis zehn Jahre und lässt sich in der Regel nicht tauschen – dann wird der ganze Sensor ersetzt.
  • Warnleuchte nach dem Wechsel: Fast immer wurden die Sensoren nicht angelernt oder das indirekte System nicht zurückgesetzt.
  • Warnung bei Kälte: Pro 10 °C Temperaturabfall sinkt der Reifendruck um etwa 0,1 bar. Im Herbst bei 20 °C befüllt, fehlen bei Frost schnell 0,2 bar – das kann die Warnung auslösen. Lösung: Druck bei kalten Reifen auf den Sollwert bringen.
  • Neue Felgen: Bei direktem RDKS brauchen neue Räder entweder umgebaute oder neue Sensoren.
  • Pannenspray: Das Dichtmittel kann den Sensor verkleben.

Welches System hat mein Auto?

Zeigt dein Display den Druck jedes einzelnen Rades, hast du meist ein direktes RDKS. Gibt es nur eine allgemeine Warnung, ist es wahrscheinlich ein indirektes System. Im Zweifel hilft die Bedienungsanleitung. Beim Wechsel lernen wir die Sensoren bei Bedarf vor Ort an.

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